| Die altägyptische
Gottheit »Amun«
Die Stand-/Schreitfigur
aus Bronze zeigt den Gott in menschlicher Gestalt auf einer recht- eckigen,
beschrifteten
Basis. Die Arme nehmen das Element der Dynamik auf, indem sie leicht
nach vorne »gehen« und nicht »kraftlos« am Körper
herabhängen. Auf seinem Kopf ist die für ihn typische Kappe
(Krone) zu sehen. Diese trägt er häufig, wenn er rnenschengestaltig
dargestellt ist. Auf der Kappe befinden sich eine Sonnenscheibe und
zwei Federn. Die Falkenfedern und die Sonnenscheibe weisen auf den Aspekt
eines Sonnengottes hin; Amun wird auch mit dem Beinamen »Herr
der Strahlen« umschrieben. Die Kappe ist ähnlich der ägyptischen
Königskrone und soll wahrscheinlich die enge Verbindung König
- Gott hervorheben. Am Kinn ist ein geflochtener, nach vorne eingerollter
Götterbart zu sehen. Der Bart ist kein natürlich gewachsener,
sondern ein künstlicher. Er wurde umgebunden. Die Bartbinden sind
auf beiden Seiten des Gesichtes als feine Einkerbungen wiedergegeben.
Ein vierreihiger Halskragen (Schmuckstück) ist um den Schulterbereich
der Statue gelegt. Der Oberkörper ist mit einem Leibchen, das ein
Federmuster aufweist, bekleidet. Der mit einem Gürtel versehene
Schurz des Gottes ist ein dreiteiliger Königsschurz. Er findet
in dieser Statue Verwendung, um auf die herausragende Position von Amun
aufmerksam zu machen: Amun als König der Götter.
Amun bildet
mit Mut und Chons die Triade von Karnak. In den Pyramidentexten aus
dem Alten Reich wird jedoch auch das Götterpaar Amun und Amaunet
genannt. Hier zeigt es sich, daß sich in der Götterwelt Verbindungen
auflösen, bzw. neue Verbindungen hinzu kommen können (Übertragen
der weltlichen Strukturen in die Götterwelt).
Seit dem
Mittleren Reich tritt Amun als Lokalgott von Theben auf. Weitere Erscheinungsformen
des Gottes sind Widder, Gans, Mensch mit Widderkopf, Mensch mit Krokodilskopf,
Mensch mit erigiertem Phallus oder Mensch mit Doppelfederkrone.
Die Funktion
Amuns als Sonnen- und Himmelsgottheit wird durch die ikonographischen
Details (Sonnenscheibe, Federkrone, Federmuster auf dem Leibchen) unterstrichen,
darüberhinaus auch durch die Farbsymbolik: So wird Amun manchmal
mit blauer Hautfarbe dargestellt, die auf seine solare Funktion hinweist.
Der Fruchtbarkeitsaspekt wird durch seine grüne oder schwarze Hautfarbe
unterstrichen.
Ilona
Bacher-Göttfried
Staatliche Sammlung Ägyptischer Kunst, München
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